Interview mit Herrn Gockel

Leseprobe

Thomas Fricke
EsPeDecula, die Untote
Satiren
ISBN 978-1-5497-7790-5

Interview mit Herrn Gockel

„Danke noch mal, Herr Gockel, dass Sie sich bereit erklärt haben für ein Interview, direkt nach Ihrem Auftritt mit dem Präsidenten von VSA.“
  „Boahhhh, was für eine Hitze aber auch!“, prustet der in einem grauen Anzug steckende Gockel.
  „Ja, es ist sehr heiß, in der Tat. Müssen Sie diesen Anzug tragen?“
  „Das gehört sich so, junger Mann.“
  „Was bedeutet Ihnen Ihr gemeinsamer Auftritt mit dem Präsidenten von VSA?“
  „Es war überwältigend! Das mir das noch vergönnt war, in meinem Alter! Der mächtigste Mann der Welt, der Präsident von Vereinigtes Schurkistan und Absurdistan! Er sieht aber auch gut aus, ich hatte einen, ähm, Höhepunkt. Wenn Sie verstehen, was ich meine …“
  „Einen Höhepunkt?“
  „Nun ja, ein kleines Malheur ist mir da passiert, mit meiner Hose, ist noch ganz feucht.“
  „Ah ja! So ein „Höhepunkt“ also. Und das ist Ihnen gar nicht peinlich, Herr Gockel?“
  „Ach was, das sieht doch keiner, mein Jackett verdeckt das. Glauben Sie mir, es gibt Peinlicheres in meinem Leben.“
  „Gewiss, das gibt es. Auch sind Sie bekannt für zahlreiche politisch skandalöse Absonderungen. Wobei, das kann ich nicht verhehlen, Ihre Statements einen gewissen Unterhaltungswert haben. Man fragt sich immer: Welchen Bolzen wird er wohl als nächstes raushaun?“
  „Was soll das? Ich war und bin immer und stets für die Freiheit! Ich bin der größte Liebhaber der Freiheit!“
  „Wessen Freiheit, Herr Gockel?“
  „Zunächst einmal die meine, dann die der Banken, der Wirtschaft, der Eliten halt.“
  „Was ist mit der Freiheit der sogenannten Arbeitnehmer, der Nichtprivilegierten, der Obdachlosen?“
  „Von wem? Sie stellen mir hier aber komische Fragen, das muss ich schon sagen. Bedenklich für einen Mitarbeiter vom ‚Sturmgeschütz der Demoktatur‘ …“
  „Wovon?“
  „Vom ‚Stürmer‘!“
  „Herr Gockel, sind Sie noch bei Verstand?“
  „Sorry, ein Versprecher … Sie arbeiten aber doch für den ‚Riegel‘?“
  „Nein, für den ‚Tiegel‘.“
  „Sie unverschämter Terrorist!“
  „Geht’s noch, Herr Gockel?“
  „Ich würde Ihnen am liebsten eine knallen! Erschleicht sich hier ein Interview für das Schmierenblatt der Friedens-Kasper, Bären-Versteher und Sozial-Schmarotzer!“
  „Ich habe mich korrekt vorgestellt. Unterlassen Sie gefälligst Ihre Beleidigungen!“
  „Da hört sich doch alles auf!“
  „Allerdings! Einen schönen Tag noch, Herr Gockel!“

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